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Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Freitag, 1. Juni 1917, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1917-06-01.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-085E-3.

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Chronik

Freitag, 1. 6. 1917

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Wiener Schnitzler
Traumtagebuch

Traum vom 1. Juni 1917

Quelle: Arthur Schnitzler: Träume. Das Traumtagebuch 1875–1931. Herausgegeben von Peter Michael Braunwarth und Leo A. Lensing. Göttingen: Wallstein 2012 (Bibliothek Janowitz, Bd. 20)

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Freitag, 1. Juni 1917

1/6 Heute früh, nach tel. Anfrage ― U.;― theilt mir in großer Erregung mit ― der Arzt seiner Frau habe ihn zu sich gebeten ― eine Todeskrankheit (Operation dieser Tage) ist bei ihr festgestellt ― „Denken Sie ― welches Schicksal ― wäre das 3 Wochen früher constatirt worden, so hätte sich St. nicht umbringen müssen ―“ das ist das einzige ― was ihn an der Sache wirklich erschüttert ― der überzeugt ist, daß St. sich im Grunde doch nur wegen der Aussichtslosigkeit getödtet hat (am Ende auch nicht ganz unrichtig).― Auch er noch Urlaub ― war jetzt wo er zuletzt mit ihr gewesen ― kaufte in Linz im Hotel ― das Bett’ der letzten Nacht! (es wird für nach dem Krieg aufbewahrt ―); war auch in Aussee ― mußte aber an der Brücke kehrt machen ― schläft jede zweite Nacht in St.s Zimmer ― begreift nicht daß er weiter lebt ― und läßt sich auch, wie jener andre ― gern überreden, daß er eigentlich weiter leben muß … Dann brachte O. Bilder von St., kleine von unsern Reisen ― er nahm sie, ging unter Thränen.― O. sagt zu mir: „Du bist der Erzbischof von der ganzen Sache …“ Wie übersichtlich ― allzu übersichtlich wird nun die Sache. Sie war offenbar völlig hin- und hergerissen ― für ein Wesen von ihrer Lauterkeit ― Tapferkeit ― und Schwäche gab es nichts als den Tod. Was sich nun begibt, an seelischen Nachabenteuern, an Situationen, ist bei aller Tragik irgendwie ― von einem großartigen Humor. Sobald die wahre Übersicht da ist ― kann offenbar der „Humor“ (ein nicht ganz zutreffendes Wort) nicht ausbleiben. Wo Humor ― keine Langeweile ― daher der liebe Gott mit seiner ewigen Übersicht sich niederträchtig gut amüsiren muß.―

Dictirt ein Concept an Millenkovich.

Nm. am Nachklang.―

Zum Thee Gfn. Wydenbruck mit ihrer Tochter Ella; über die Persönlichkeit des Kaisers, die Thronrede;― Taktlosigkeiten Wilhelms;― Antipathien zwischen hüben und drüben.―

Mit Heini Mozart VI. Clav. Concert.―

Las Fontanes „Kindheit“ (zum 2. Mal) zu Ende. Grimms „Südafrik. Novellen“.

Neulich geträumt: eine Art Jahrmarktstraße auf dem Weg nach Grinzing (zum Kriegspital);― St. soll den Weg kommen, aus dem Spital, aber sie kommt nicht (ohne jede Betonung).