Arthur Schnitzler: Tagebuch 1879–1931. Digitale Ausgabe. Herausgegeben von Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien, 2021. Sonntag, 22. Jänner 1922, https://schnitzler-tagebuch.acdh.oeaw.ac.at/entry__1922-01-22.html (Stand 14. 7. 2026), PID: http://hdl.handle.net/21.11115/0000-000C-0EFC-A.
22/1 S.― Schöner Wintertag. Mit V. L. und Franzl Neuwaldegg Park,― nach Salmannsdorf ― Sommerhaidenweg. Ganz plötzlich (nach Gesprächen allgemeiner Natur und über O.) sprach sie über früher nur angedeutetes mit ziemlicher Offenheit, so dass ich auch den Namen vermuthen konnte; weinte;― es sei aus, aber innerlich doch nicht ganz; dabei wisse sie, unter ihrem Niveau …― So wenig neu und überraschend mir das war; irgendwo verletzte es mich ein wenig.― Man bleibt immer gleich dumm ― wird vielmehr immer noch dümmer … Wir sprachen viel über Aurelie ― Falkenier; sie sagte kluges.
Nm. vertrödelt;― am Verf.―
Zu Alma;― Gesellschaft, ich ging wieder, kam nach einer Stunde wieder. Olga allein ― wie sie auf dem Sofa saß, vor sich hin, hatte sie etwas rührendes … Sie sprach gleich ärgerlich über die Kinder wegen ihres „schlechten“ Tones gegen Wucki, übertrieb gleich und wiederholte sich in ihrer Weise; ich fühlte gleich ― nein ― ich kann nicht mit ihr zusammenleben. Dann citirte sie einen Unsinn (vielleicht mißverstanden), von Bahr,― das Leid sei gleich vertheilt auf Erden, jeder eigentlich habe das selbe zu tragen;― Aphorismen, die mich krank machen, was ich nicht verhehlte; wir nachtmahlten dann, auch Alma und Werfel;― aus allem, jedem Wort, jeder Geste,― auch aus den ungeschickten: Ich will zurück.