Mittwoch, 22. Oktober 1924

22/10 Tel. mit C. P.; das wieder feindlich endet.―

Brief von H. K., tagebüchen,― aber etwas zu literarisch.―

Gestern ein schöner Brief eines Unbekannten Dr. J. Lesser über die alberne Einstellung gewisser Jungen (und Alten!) gegen mich. Seltenheitswerth!―

Brief von Minnie B. (Gfn. Schaffgotsch) ― wie sie sich Übersetzungsautorisationen verschaffen könne!, aus finanz. Gründen.

― Verlag Zsolnay; sprach auch Zsolnay. Er gibt mir die eben erschienenen Mahler Briefe;― anlässlich der K. d. Verf. über die Klugheit des „Publikums“ und die Dummheit der Einzelnen. Integralbeziehungen.―

In das neue Local des P. E. N. Clubs, Annagasse;― in einem alten Palais ― dessen Facade, insbesondre Balkon mir gestern zum ersten Mal, in zufälligem vorbeigehn, aufgefallen.―

Schöner Herbsttag. Begegnung Baronin Formes Königswarter (über K. d. V. und schlechtes Sprechen der Schauspieler).

Zu V. L. Sie zeigt mir den Entwurf eines Briefes an R.… spricht von ihren Selbstmordideen, wir essen Caviar und lachen viel … Dr. Hess kommt Franzi impfen.―

― Mit Lili nach Tisch über Frl.S.― Etwas factiöser Widerstand von Seiten Lilis;― Dora kommt dazu, Aussprache, mit Lili.―

― Mit Lili Josefstadt. Mells Apostelspiel. Erste Reihe, hörte verzweifelt wenig.―

N. d. N. zu Richard; allerlei Leute, Gratulation für Mirjam. Sprach mit Leo, der mir sagt, das Gespräch mit O. neulich habe ihn ganz traurig gemacht. Sie nenne mich rachsüchtig,― aus Rachsucht entziehe ich ihr Lili;― auf seine Frage aber, ob sie denn zurückwolle ― lehnt sie großartig ab: hier sei alles in verfaulendem Zustand … dort aber, in B.-B. in ihrem Kreise sei Entwicklung etc… Welche Selbstbetrügerei, welcher Trotz … welche Überheblichkeit ― welcher Wahnsinn ― und welches Leid!―