Sonntag, 25. November 1923

25/11 S. Befinde mich wieder einmal in einer so fast krankhaften Ablehnung von O.s Wesen, daß ich mich kaum entschließen kann, ihren, ja kaum Lucys Brief zu beantworten (ja das Wiederlesen hinausschiebe). Überhaupt in deprimirt-gereizter Stimmung. Die Lecture der mittelalterlichen deutschen Kulturgeschichte erfüllt mich mit einer Erbitterung, als erführ ich heut das erste Mal von den Hexenprozessen und Ketzerverbrennungen.―

― Vm. bei der Ama, die bald nach Meran geht und Olga Dessauer.

― Dann bei C. P., die immer findet, ich habe zu wenig Zeit für sie. (Ihre hübschen Gedichte neulich.)

Nm. am Verf.

Z. N. bei Zsolnays. Schönes palaisartiges Haus. Sympathische Hausfrau. Gatte abwesend. Die zwei Söhne. Der eine will (nebstbei, ohne Gewinnabsicht) einen Verlag gründen. Alma, Werfel, Salten und Frau, Graf Rich. Coudenhove (der im letzten Jahr sehr berühmt wurde) und Gattin (Roland) Verwandte.― Verlagsgespräche u. a.― Frau Zs. zeigt die antike Schmucksammlung (Aegypten, Griechenland), und andre Ausgrabungen. (Sie lebten dort,― in Thassos u. s. w.)