Montag, 27. November 1922

27/11 Traum: In einem Eisenbahncoupé mit V. L., im Nebencoupé Dr. L. und andre, wohl auch Mimi Sch. V. umarmt mich leicht, ich, in Gedanken an nebenan entwinde mich. Sie. Gewöhne dir endlich ab feig zu sein. (Novelle: Fridolin, der sich Feigheit vorwirft.) Ich: wärs dir recht, wenn er es bemerkte? Sie: Ja, er reist nächstens mit mir und einem andern, von dem man auch sagt er sei mein Flirt, nach Berlin ― nur um den Leuten zu beweisen, es sei nichts dran.― (V. L. ― war in Berlin;― erzählte mir von einem Flirt (hier ― ohne Namen),― und ich bin für Donnerstag eingeladen.) ― Plötzlich Bahnhof, etwa LinzV. L. ist ausgestiegen, kniet auf dem Perron vor einem Erzbischof, erhebt sich dann, er umarmt sie; aber es ist kein Erzbischof ― sondern in gleichem silber-goldnem Ornat eine Bäuerin ―; V. L. wieder ins Coupé, sich auf den Sitz stellend, sich anlehnend, fast figürchenklein ― nur damit ich, mich niedersetzend mich an sie lehnen muß und es bemerkt wird (Bettina, die sich im Zimmer des alten Goethe auf den Ofen setzt);― ich entwinde mich wieder, und sage ihr. Ich möchte dass du den Standpunkt ihm gegenüber einnähmst: du lebst wie du willst,― er auch … (Olgas andeutungsweiser Vorschlag vor 3 Jahren!) … so wie es O. wollte ― was wohl nur daran scheiterte, dass ich sie noch zu sehr liebte ―. Sie. Bemerkst du nicht, wie frei wir miteinander sind?― Ich: Ja weil wir uns du sagen.― Nun sind wir in der innern Stadt ― jemand uns nach,― ein Schuster;― er hat goldgestickte Pantoffeln; sie probirt sie und behält sie gleich;― es ist mir nicht ganz angenehm, dass ich sie zahlen muß;― aber sie sucht auch nach dem Geld. (O.s Expressbrief!)

Dictirt Briefe (nach Rücksprache mit dem Finanzkassier Dr. Winkler) an die B. Th. Kasse u. a.; Nov.

Nm. Dora bei mir; Lili saß eine Weile bei uns.

Bei Schmidls gen. mit Dora, Hansi und Mann, Walter Eidlitz, Hela Spira;― Julie.