Montag, 9. Jänner 1922

9/1 Brief von O.;― sie möchte wegen Lili nach Wien lieber kommen als nach München;― über meine abweisende Haltung;― im ganzen kluger Brief, der mich irritirte.―

Reigen wird vorläufig doch nicht gespielt;― Bernau wurde von den Parlamentariern, wo er sondirte, gewarnt … Es bleibt wie es war bei uns … Die Behörden erlauben was,― aber weh dem, der von der Erlaubnis Gebrauch zu machen suchte! Verlogenheit und Feigheit, auch böser Wille. Dabei wissen sie sich von den liberalen ― wie immer ― wohl gestützt ―

― Der junge Menger,― wie meistens einen etwas pathol. Eindruck machend;― seine algebr. Entdeckungen.―

Dictirt Verf.

Nm. Brief von O. ― sie möchte ihren Geburtstag mit mir, ev. Ischl ― oder Aussee verbringen ― allein, sich aussprechen. Einige Stellen lassen fast auf Einsicht schließen ― aber jetzt fängt es eben an bequemer zu werden, Einsicht zu haben. Immerhin bewegte mich der Brief sehr.―

Z. N. Alma, Hofrätin, Thomas Mann und Frau (kennen gelernt); nachher auch Saltens, Richard Paula; Menczel’s; Specht.― Es war ein ziemlich angenehmer, aber nicht übermäßig heitrer Abend; das Hören machte mir große Mühe ― wie überhaupt das Ohr mir wieder die schlimmsten Beschwerden verursacht. Die Geräusche, durch Clavierspiel und andre akustische Reize, steigern sich ins unerträgliche (wenn es sonst erträglich wäre). Telephonklingel hör ich kaum ins benachbarte Zimmer bei offner Thür! Mann war liebenswürdig, ziemlich aufgeschlossen; wir trafen uns in unsrer Meinung über die innre „Bösheit“ der „Expressionisten“ und in der Liebe zu Hamsun.―