Sonntag, 4. September 1921

4/9 S. Briefe (u. a. an Hock, Dtsch. Theater, in Angelegenheit AnatolEdthoferHollaender).―

Zu O.― Es entwickelte sich sehr rasch eine Scene wie in den schlimmsten Tagen unsrer Ehe; ihr immer wiederholter Versuch die Verantwortung auf mich abzuschieben, riß mich zu den bösesten Worten hin; ich erklärte jede Beziehung abbrechen zu wollen; es endete mit Thränen auf beiden Seiten in Feindseligkeit.―

Mit Lili allein bei Schwarz gegessen, dann zurück;― die Scene ging gleich wieder von vorn an, und endete in noch ärgern Anfällen … Nach einer Stunde, beide ruhiger, sprachen wir uns aus … U. a. erklärte sie, auch im Mai heuer wäre noch Zeit gewesen, sie zurückzuholen. (Wie gut, daß ichs nicht gethan.) ― Dann wollte sie durchaus von meinem Privatleben was wissen; und konnte einiges leicht vermuthen … Sie wurde zärtlich;― und in der Tiefe ihrer Seele war der Wunsch,― wieder zu Hause, vor allem mit Lili zu leben (an der sie wie Lili an ihrer Mutter unsäglich hängt … Hier, und in gewissem Sinn nur hier liegt die Tragik).

― Wir nachtm. zu dritt in dem benachb. Bräu;― ― und die Leute dachten wohl: Was für glückliches Familienleben …― Sie sprach heute von ihren „innern“ Selbstanklagen, hat aber eigentlich immer noch mehr gegen mich … Im Nachhauseweg fing sie wieder von H. K. an, ― beim Hausthor, nach Zärtlichkeit, auf die ich nicht reagirte ― „Ich kann nicht immer auf den Knieen herumrutschen.“