Donnerstag, 27. Mai 1920

27/5 O. erklärt mir früh entschlossen zu sein das Haus zu verlassen; bittres schicksalschweres Gespräch. Sie will jetzt gleich irgendwo in die Nähe; in der Zwischenzeit soll alles „geordnet“ werden;― in Hinsicht auf die Kinder wünsche sie Sicherheit, sie zu gewissen Zeiten bei sich haben zu können,― u. zw. verbriefte;― da sie sich ― vor meiner „Rachsucht“ mancherlei vorsehen müsse. Ich blieb ― fast ― ruhig.― Dann wurde noch auf meinem Balkon weiter geredet. Nur mein Mißtrauen … seit Jahren und Jahren sei schuld;― sie sei zerbrochen;― sie wolle frei aufathmen u. s. w.― Auf die guten Gründe von dem was sie mein „Mißtraun“ nannte, ging sie weniger ein.

― Nun überlege ich, allein in meinem Zimmer, draußen ist ein wundersamer Sommertag ― es gibt nur mehr solche;― und, verhältnismäßig ruhig denke ich, was aus diesem Zusammenbruch, und wie es zu retten wäre. Meine lieben, meine geliebten Kinder,― was thun?―

― Nm. entwickelte sich ein Gespräch auf gleicher Basis, das aber viel ruhiger verlief,― und in dem sie sich (wenn auch nicht durch Worte, sondern in ihrem ganzen Verhalten) ziemlich einsichtig zeigte. Immerhin telef. sie in verschiedene Pensionen in der Reichenauer Gegend;― aber schon gewissermaßen in andrer Bedeutung. Endlich kam es sogar zu einem Gespräch über das Ehepaar L.

― Spazierg. mit Kolap, wundervoller Weg Zierleitengasse, Rosen in den Villen, Ausblick Berge, Stadt, Ebene, Gewitter im Westen.―

N. d. N. Grosz, spielt allerlei vor; komisches aus Holland Mahlerfest.― Nachher, auf meinem Balkon,― die Wetterluft vom Wienerwald her, unvergleichlich.―