Mittwoch, 31. Dezember 1919

31/12 Nachts arge Zahnschmerzen, wie seit Jahrzehnten nicht. Dann doch noch leidlich geschlafen.

Vm. dictirt Briefe; am Weiher, an der Autobiogr.

Kolap zu Tisch bei uns; ich begleitete sie im Nebel fort; sie bat mich, mich in „nichts ernstes“ einzulassen. Ich konnte sie beruhigen. Über O.; das manchmal bezwingende ihres Wesens.―

Gegen Abend Hans; Grosz, der einige seiner ostjüdischen Lieder spielte.

Nach d. N.: Dr. Lichtenstern (zuerst allein, über seine Operationen, fast alles Localanaesthesie);― Arthur Kaufmann, Saltens mit Kindern, Richards Kinder, Schmidls und Kirsch’s;― Jessie, Schmutzers.―

Kfm., ganz erfüllt von neuen Ideen, die er, in der Arbeit zu Einsteins Relativitätstheorien gefasst;― über Messung der Zeit;― gern bereit, uns darüber zu belehren. Wir (nicht alle hören zu) können nicht durchaus folgen; Klarheit und Persönlichkeit;― auch seine eigentümliche Besessenheit (in schönstem Sinne) zwingend wie je.

Nach Mitternacht Roulettespiel, verlor gegen 100 Kr. und gewann sie beinah ganz zurück.―

Salten spricht sich mit mir aus,― über sein Verhältnis zu Fischer, allerlei Verlagsangelegenheiten ― s. Z. Verhalten Liesls gegenüber seinen Einaktern u. s. w.―

Gegen Schluss war man sehr heiter,― Heini recht witzig.

Wie alle fort sind, sitzen (gegen 3) Olga Heini und ich mit Jessie im Salon noch zusammen.―

Jessie übernachtet bei uns.

Eine Weile war ich durch heftiges Zahnweh irritirt, im ganzen recht gute und leichte Stimmung; ich war froh, dass 1919 zu Ende ging.―

Las im Bett noch im „Spieler“ von Dostojewski weiter.

― Hatte vor 3 Tagen von der Wohnung meiner Großeltern, vor 2 Tagen von der elterlichen Wohnung geträumt, und heut Nacht von Brandes ― er saß an unserm Tisch, sehr gealtert (Bild im Tag!) ich setzte mich verweint hin;― O. erklärte ich habe rothe Augen vom Lesen oder so ähnlich.―

― In den letzten Tagen die Herzschmerzen ziemlich verschwunden (Pyramidon?).