Donnerstag, 20. November 1919

20/11 Vm. im Hotel Regina bei Kesser. Wir sprachen über seine Messalina, und er schien sehr wohlthätig berührt, daß ich den Mißerfolg sehr wenig schwer nahm. Über die falsche Regie, Bernau’s Mangel an Disposition, die Roland.

Begegnung mit Dr. Paul Cohn, jetzt Zürich, der mir ein Heft des von ihm redig. „Neuen Europa“ gab und für die nächste Zeit schlimmste Dinge für Wien voraussagte.

Bei der Roland (bettlägerig).― Vom Volksth. brachte man ihr etwas Holz ― ich hielt den Deckel der Kiste offen, da keine Bedienung war ― wir redeten über die ungeheuerlichen Zustände ― die Holz-, Kohlen- und Nahrungsnot;― die Unannehmlichkeiten, die sie in ihrer Pöstlingbergervilla auszustehen hatte;― der aufsässige Gemeindesecretair, die confisc. Butter,― u. s. w. Dann erst über die Flaminia;― sie hätte nun mehr Lust die Teresa zu spielen, was vielleicht nicht übel wäre; wir wollen’s uns beide noch überlegen.―

Im Volksth.; mit Geiringer und Bernau;― ich hechelte B. humoristisch aber recht scharf wegen seiner mangelhaften Dispositionsfähigkeit. Während wir wichtig über Besetzung und Termin verhandelten, erzählte Geiringer von einem Gespräch, dem er heute in einem Ministerium beigewohnt, zwischen Cuninghame (Reparations-Commission) und dem Kohlenmann Berl. B. sagte, wenn nicht raschestens Hilfe komme, für die allernächste Zeit Dinge voraus, wie sie die Welt noch nicht gesehn, Plünderung und Mord, völlige Anarchie ―; dann verhandelten wir weiter, ob Herr Homma schon am 3. oder 4. die.Proben mitmachen könnte ― und lachten über dieses tolle Nebeneinander von Elend, Graun und Theaterspielerei.

Zum Thee Grosz. Bericht über die Concerte. Neue Kritiken, schlecht.

Autobiogr. (bis Frühjahr 89 ― soweit geschrieben) durchgesehn.