Montag, 8. September 1919

8/9 Traum: Im Auto fährt Olga mit noch drei Leuten an mir vorüber (etwa aus der Spöttelgassengegend kommend an unserm Haus vorbei), achtlos; ich äußere mich resignirt polemisch zu jemandem neben mir,― das Auto biegt in die Hochschulstraße, kommt ins schleudern, aufs Trottoir rechts, plötzlich überschlägt es sich einige Mal, alle Insassen fliegen heraus ― ich hin, auf dem Trottoir links vor dem Mendlhaus ― zwei Damen, die eine bewegt sich, von mir untersucht, marionettenhaft, ich weiß daß die zwei Damen die mich nichts angehn, leben;― rufe Heini herbei, der erstarrt dasteht und sich auch weiterhin nicht rührt;― wende mich nun, was ich bisher nicht gewagt ― zu den beiden andern Verunglückten ― Lili (aber nicht ganz so aussehend) ― wie in Trauer und Schleier;― und sozusagen noch lebloser, noch verschleierter und schwärzer Olga ― meine Verzweiflung sprengt gleichsam den Traum und ich erwache.

Abreise nach Reichenau. Lese im Coupé ― Freiwild (wegen bevorstehender Aufführung im Stadtth.);― finde das Stück nicht einmal so schlecht als eher unbegreiflich. Doctrinär trivial, nicht ohne theatralische Qualitäten ― aber kaum ein Hauch meines Wesens.

― Ankunft. Kurhaus. Empfindung unter den Erinnerungen zu erliegen.

Mit Herrn Dr. und Frau Lichtenstern und Franzl gegen Abend in eine Gärtnerei, wo Frau Vilma Astern kauft. Der Garten weitgedehnt mit Tannen und Bergen im Hintergrund mondbeglänzt.