Samstag, 12. Juli 1919

12/7 Traum: Vor einem Theater, etwa Schönbrunner Schloßtheater, Theaterzettel, als zweite Person (es ist ein Shakespeare Stück) steht ungefähr: „Ein Matrose, der der Königin für den Beischlaf Ringe und Edelsteine verspricht ―“ Dann das Innre des Theaters. Balletscene auf der Bühne: Eine Mutter mit etwa 3j. Kind, eine Sklavin, schlank, verdrossen, reizlos, alles im griech. Costume, mattgelb: die Sklavin tanzt, ganz kurzer Chiton, sie hebt es immer höher (gestrige Lecture: Vögelchen von Marie Winternitz!) ― endlich vorn so sehr, daß man merkt ― sie sei ein Jüngling. Die Herrin ziemlich empört; und alle, Hand in Hand, trippelnd, ärgerlich ab,― was irgendwie komisch wirken soll und auch wirkt.― Dann: Ich, Richard B.-H. und noch einige (wer?) Kreindlgasse ― entlang der Villa Redlich, in den Garten schleichend, der vernachlässigt aussieht, stehn plötzlich vor einem Vorhang, schieben den nur halb geschlossnen zurück, großer Salon, einige Stubenmädchen und Diener kehren aus; die Hausfrau, in schlampertem Morgencostume ― die schöne Frau Reitzes (nicht mehr Redlich!) verschwindet rasch;― ein kleiner, jüdischer Secretair verbindlich, erscheint ― ich frage, ob man Hrn.Fr. Reitzes sprechen könne, er lächelt, lehnt ab, solle ihm mein Begehr mittheilen; wir (wer?) nehmen am Tisch Platz; ich beginne: Es handelt sich keineswegs um die Frage der Staatsbürgerschaft (die Zeitungen brachten gestern höchst mißfällig, daß Hr. R. die poln. Staatsbürgerschaft aus Steuergründen erworben!) ― B.-H. ruft dazwischen: Reden Sie geordnet, Arthur!― ich frage den Secretair, ob er Salten kenne. Der Secretair bejaht,― Salten sitzt auch schon an seiner Seite; ich fahre fort: „es handelt sich um eine Sache, nicht nur im Interesse des Hrn. Reitzes, sondern der gesammten Judenschaft ―“ weiß aber nicht um welche ― und wache auf.―

Vm., mit starken Kopfschmerzen Michaelerberg und Schafberg. Notizen zum Weiher;― Anfang des 2. Actes. Erhebliche Mühsal.

Zum Thee Fr. Maria Orska. Hatte sie vor 9 Jahren als Studentin der Philosophie durch Frankfurters (Nichte) flüchtig kennen gelernt. Sie erzählte ihren Lebenslauf … Russin. Möchte Marie im Ruf spielen. Rathe ihr zu ― Fanny in Märchen.― Zeige ihr Haus und Garten. Sie wirkte interessant.―

Dr. Moldauer, in einer Verlagsache.―

Lese Balzacs „Kurtisanen“ etc.; Hennings „die andre Seite“, Marie Winternitz, „Vögelchen“.― Nun haben wir die „Sündenmarlitts“, nach der Tugendmarlitt, über die man sich so lustig gemacht hat.―