Dienstag, 3. Juli 1917

3/7 Mit Heini Hofbibliothek bei Weilen. Er zeigte uns die Räume; Hr. Dr. Pirker alte interessante Handschriften und Drucke.―

Am „Casanova“ (Nov.) ―

Nach leidlichen, manchmal guten fast schönen Wochen findet O. (fast aus heiterm Himmel ― wenn man je von einem solchen sprechen konnte) daß St. ganz recht gethan ― sie selbst sei ― unter dem Drucke der Zeit dem Wahnsinn nahe; bezeichnet ihren Zustand selbst als Kriegspsychose. Ich versuche sie zu trösten ― ihre Lage weder innerlich noch äußerlich mit St.s zu vergleichen ― auch die Kriegsunannehmlichkeiten ― die wir mit allen theilen ― seien doch bei uns erheblich gemildert. Aber da auch Trost Widerspruch ist, lehnt sie ihn natürlich ab ― und constatirt, von Paula B.-H. zurückkommend, daß es der eben so schlimm gehe als ihr ― und das thue ihr viel wohler ― als wenn man ihr sage, daß nun auch die andern Leute zu leiden haben ― Es ist wieder eine Art Anfall bei ihr;― eine leidige Tendenz Unruhe, Beunruhigung ins Haus zu bringen, und der „Krieg“ ist diesmal Anlaß, wie sonst irgend was andres Anlaß war. Daß es ihr an „Zerstreuung" mangelt (genügen die Kinder, das Haus, der Garten, die Musik, die Bücher nicht ―?) ― erbittert mich am meisten ― und daß ich nun auf weitere Steigerung der Unruhe und auf Störung meiner Arbeit gefasst sein muß ― die ihr wie sie immer wieder sagt, am meisten am Herzen liegt. Allerdings hab ich diesmal die feste Absicht michs nicht weiter anfechten zu lassen.―

Mit Heini Schumann 1. Symph.