Samstag, 5. Mai 1917

5/5 Mit O. und Kfm. von Greifenstein über Hadersfeld ― Ruhe beim Obelisk ― Kritzendorf. Arthur Kfm. kann sich über das „Unrecht in der Welt“ nicht beruhigen ― als erlebe er was neues, nie früher dagewesenes.― Sein Wunsch, eine Weile als Pflanze zu leben. Ich: „Ich tausche mit keinem Vergißmeinnicht.“ ―

Nm. am Fldb.

Schweizer Gastspiel, drei Schweizer Einakter (Berner Todtentanz, Tell, Commedia von zwei Eheleuten) nicht uninteressant, soviel ich hören konnte.―

Ratskeller. Burgtheater bewirthet die Schweizer Gäste. Millenkovich sprach studentisch-fesch-herzlich-platt; Reucker nett-sentimental-platt,― Vizebürgermeister Hierhammer wienerisch-christlichsocial-idiotisch-platt.― Ich sass zwischen Praes. Ehrlich, Graf Dubsky (Ministerium des Äußern); er erzählte von seiner Stellung am Ortler, möchte sechs Wochen dort, sechs hier im Ministerium sein. Seine Geistesrichtung politisch-klug-kühl-oesterreichisch-kosmopolitisch. Sagte allerlei niederhofsches. Beklagte sich dass die Aristokraten meist als Trotteln gespielt würden. Ich wies auf die gleiche Schablonenhaftigkeit gegenüber den Juden hin.― Ein paar Worte mit dem Leiter der Intendanz Hofr. v. Horsetzky, ein wahrer Trottel.

― Mit vielen Schauspielern und Schauspielerinnen; zuerst und zumeist mit Frl. Bergner, die Zürich haßt (eine Wienerin). Ich floh um 2 Uhr Nachts, zufällig fuhr U. im Fiaker an mir vorüber und nahm mich heim mit. Erzählt mir von Musterungen u. dergl.