Donnerstag, 19. August 1915

19/8 Mit Friedell bei Zauner (wie täglich) gefrühstückt. (Über Balzac und Mme. Hanska.) ―

Dr. Rud. und Garda Kfm. besuchen uns.―

Spazierg. mit Trebitsch, der mir „Bände zu erzählen“ hat ― aber es wird kaum eine Brochure.―

Dann in der Pfarrgasse Steiners, Fr. Nossal, Frau Goldmann gesprochen.

Zu Tisch mit Ama, Mimi, Arthur Kfm., Paul Breisach

Ama und Mimi zur Bahn begleitet; die nach Altaussee zurück fahren.―

Allein spazieren Grazer Straße bis Laufen; durch den Wald zurück. Ein dickes blondes Judenmädel läuft mir nach. „Keine bessere Gelegenheit Ihnen meine Verehrung auszudrücken …“ „Darf ich wissen wer ―?“ „Ein einfaches Bürgermädl ―“ „Auch die sind nicht gar so einfach …“ Endlich nennt sie sich: Reserl Weiss.― Ich erinnre mich eines kleinen magern schwarzen Judenmädels ― das ich einmal, ich war 18 Jahre alt, im Prater beim Schützenfest küsste; sie hiess Rosa Weiss. Ein Titel für die Biografie: „Von RoserlWeiss zu Reserl Weiss ―“