Freitag, 25. November 1910

25/11 Presse gut, theilweise glänzend. Von Burckhard, der im Fremdenblatt ein enthusiastisches Feuilleton hatte, überdies ein liebenswürdiges Telegramm.―

In die Burg. Rosenbaum fiel mir beinah um den Hals. Durchaus das Gefühl eines Riesenerfolgs. Auf die Bühne (Probe, „glücklichste Zeit“); mit Berger, der eben von Montenuovo kam; der ihm „große Elogen“ gemacht hat. Nur eine „Erzherzog Karl“ Stelle („Wo steckt er denn?“) hatte ihn bedenklich gemacht; und Berger schien sogar eine leise Angst zu haben, man könnte nachträglich das Stück inhibiren (obwohl Erzh. Stefan mit Kindern drin gewesen, der Enkel des Erzh. Karl und viel Beifall klatschte,― auch der Thronfolger war in den letzten Akten da) er würde natürlich dann seine Demission nehmen, aber es wäre eine Katastrophe für ihn. Ich erzählte ihm die SchlentherKakadu Affaire ― zur Warnung. ― Er sprach von Schik, copirte ihn gut; lustige Geschichte von Schiks „Selbstmordabsichten“; beklagte sich dann daß man ihn für charakterlos halte; versuchte seine Schillerrede aufzuklären.―

Zu Tisch Annie Strial.

Gleich nachher kam Burckhard, mir noch persönlich gratuliren ― es war ihm zu wenig Enthusiasmus gestern „die Leut hätten auf die Bänke steigen müssen“.― Er ist rührend. Irgend was wie Vaterstolz ― in Erinnerung an die „Liebelei“, die er auf die Bühne gebracht.

Fischers zum Thee. Sie kamen aus Berlin zur Première.― Er muß schon 5 neue Auflagen drucken, nach den 3, die vor wenigen Tagen erschienen sind. Salten hat gefunden, man hätte mir gestern zu wenig gedankt, wäre nicht genug stolz auf mich … Oh!― (Sein Feuilleton ist hübsch.)

― Mit O. zu Mama. Julius und Helene. Unter den Artikeln bemerkenswerth die clericale Reichspost ― die mich als erstes Blatt in Wien den vielgestaltigsten unter den modernen Dichtern nennt und, mit allerlei ethischen Bedenken, von einem „genialen Wurf“ spricht.

― Und plötzlich wird wieder das Burgtheater als solches ― einstimmig ― anerkannt und gepriesen.

Helene erzählte O., mein Erfolg bedeute für Julius einen Lichtblick ― umsomehr als ganz plötzlich seine Praxis zurückgehe und er schwere Kränkungen erfahre. Kainzens Tod hat ihm offenbar geschadet;― Mandl, dem er das Leben gerettet ― ruft ihn seither zu keinem Consilium; die jüdischen praktischen Ärzte kriechen den arischen Professoren, sagen wir, nach.― Es ist jämmerlich.―