Montag, 8. Februar 1909

8/2 Vm. dictirt Briefe, W. L.

Nm. am W. L.

Um 7 plötzlich erschien Salten. „Ich weiß Sie haben Gäste … will Sie nicht lange stören … ich möchte gern, daß auch O. dabei wäre …“ „Julie W. war eben bei mir, erzählte mir, Sie hätten den Eindruck ich ziehe mich von Ihnen zurück …“ „Mißverständnisse“ „Die Bemerkung auf dem Tennisplatz ‚das ist ja nur ein Glied in der Kette‘ … bezog sich nur auf die Vorgänge auf dem Tennisplatz, nicht auf unser Verhältnis …“ „daß Sie mir kein Wort über die Novelle („Friedrich der Schöne“) sagten, die ich Ihnen an dem selben Vormittag auf dem Tennisplatz übergeben, hat mich befremdet …“ U. s. w.― „Besonders peinlich war mir, daß die Kainzgeschichte damit zusammenfiel und Sie hätten glauben können, ich wähle nun zwischen ihm und Ihnen zu seinen Gunsten.“ … U. s. w. Der tiefre Grund. Er fühlt sich im wesentlichen ziemlich allein, weiß doch, daß ihn niemand so versteht und trotz stärkster Einsicht in seine Fehler so viel Sympathie entgegenbringt als ich.― Ich sagte ihm u. a. Es schien mir unwürdig eine Beziehung wie die unsre in so unaufrichtig halber Weise fortzuführen.―

Er blieb, als Wassermanns, Schmidls und Kaufmann schon gekommen waren, seine Frau wurde geholt, es wurde ganz gemütlich.