Mittwoch, 6. Jänner 1909

6/1 Kritiken beinah durchwegs gut, auch glänzend.―

Bei Mama, dann Theater; neue Striche mit Herzka besprochen.

Mit Geiringer zu Weisse (krank, von Julius Erysipel behandelt; reconvalescent) ― dort Herr und Frau Eisner, Frau Czopp (Schwestern der Frau Herzl).― Über die gestrige Vorstellung; Weisse besonders froh, daß die Vorstellung der Liebelei über die Burgvorstellung gestellt wird.

Nm. gelesen (Schumann Clara); Notizen zum Medardus. Frl. Kende besuchte Olga, begleitete uns zum Theater. Auf dringenden Wunsch der Direktion mußte ich nach den Stücken wieder heraus; in der Zwischenzeit plauderte ich mit den Schauspielern und -innen. Die Luft hinter den Coulissen hat an Reiz noch nichts für mich verloren ― und immer stärker empfind ich das Wunder, da hinten zu stehen und plötzlich Figuren erscheinen zu sehn, Worte reden zu hören, Schicksale sich abspielen zu sehen, die vor kurzem noch nirgends waren als in meinem Hirn. Von dem Act des Empfangens selbst weiß man doch gar nichts; an Stadien der Arbeit erinnert man sich wohl.