Freitag, 18. Dezember 1908

18/12 Früh allein spazieren Ofen. Ins Hotel, Olga mit Leonie Guttmann.

Ich ins Nationaltheater; das jetzt im Volkstheater untergebracht ist. Direktor Tóth. Regisseur Hevesi begleitete mich bis zu Toldy’s.

Dort von dem Professor und seinen Eltern warm begrüßt. Idyllisch rührende Beziehung der Familie untereinander. Der mild graue Alte, die behagliche Mutter. Enthusiastische Verehrung des jungen für mich. Über den Kakadu, die hiesigen Opernverhältnisse; Pläne die Oper anzubringen.

Zu Tante Wilheim, wo Olga. Dr. Deutsch de Hatvany, 28j. junger sehr reicher Mann, fesselnd, häßlich, absprechend, geistreich.

Abends in einer Loge mit Olga, Frau Ella Frankfurter und ihrer Schwester Leonie Guttmann der Première der Liebelei beigewohnt. Übervolles Haus, z. Th. wegen des Debut einer bisherigen Cabaretistin als Christine. Die Vorstellung nicht gut; die Debutantin sehr begabt. Das Stück schien zu wirken. Ich wurde sehr oft gerufen. Lernte Ujhazi, der den alten Weiring gab, in der Garderobe kennen. Komödiant, durch und durch, was mir immer gefällt. Im 2. Akt knarrte der Linoleumteppich so, dass die Leute immer lachten.― Sah das erste Mal ein Stück von mir, ohne die Sprache zu verstehn. Nach dem Theater beim Ausgang eljenten einige junge Leute.― Dr. Lang, ein alter College von mir, und seine Frau; erstern seit über 20 Jahren nicht mehr gesehn, gratulirte.―

Ins Hotel Hungaria. Protzig, heiss, Zigeunermusik. Mit Olga, Tante W. und Arthur, Leonie Guttm., Ella Fr., Toldy, später Alex. Fleischer (den wir in Taormina mit seiner seither verstorbnen Frau kennen gelernt hatten) und noch später zwei Herren Levy. Der eine, vom Vortrag Vambery kommend, machte für den alten Buddha Reclame;― ich blieb unphilosophisch wie zuvor.―