Sonntag, 5. Februar 1905

5/2 S.― Irgend ein antisemit. Jammerkerl, Dr. J. H. Michel, wegen Schulden unsres Hausherrn zum Curator unsres Hauses bestellt, schreibt mir, meinen Zins-Check rücksendend, einen nicht höflichen Brief, in dem er Annahme des Check (die er vor Wochen mündlich zugesagt) verweigert und zugleich für diesen Brief ― Honorar verlangt. (Gestern Abd. dieser Brief.) ― Dieser Brief bereitete mir eine beinah zerstörte Nacht, ruinirte mir heute den halben Tag, bis ich mich durch vorläufiges Aufsetzen eines Briefs an ihn beruhigte. In dem Staat, den ich mir denke, würde der Kerl wegen Raub von Stunden an einem werthvollern Menschen als er selbst, zu 1-5 Jahren schwerem Kerker verurtheilt werden.― ― Aber dass man sich durch solche Nichtigkeiten „berauben“ läßt …

Las in Lange Sinnen- und Kunstgenuss, KellerBaechtold;― Vehse (Habsburg).―

Entschließe mich „Balsamo“ im 2. Band aufzugeben.―

Abends am Roman weiter.―

Kamen: Fanny M. und Frl. Rothenstein;― ich begleitete O. zum Gesang.― Um ½12 erschien Leo Vanjung.― Hatte Richard (der zum Charolais nach München fährt) zur Bahn begleitet.― Über Hugo; das unangenehme Verhältnis in Rodaun.― Über Peter Altenberg. („Champagner geben mir die Leut zu trinken ― aber Schuh schenken sie mir keine …“ ― „Ich werd überschätzt … Das ist meine Tragik … Es fällt mir nichts mehr ein …“)