Sonntag, 29. März 1891

Ostersonntag 29. 3.― Nachmittag:

Mz. kommt in 2 Tagen.―

Wie ich die Möglichkeit habe, mir ihren ersten Geliebten zu berechnen aus 3 bekannten Größen.― Sie jetzt.― Der Einfluss, den Theodor genommen haben kann.― Der Einfluss, den ich nehme.― Traurige Gleichung.―

In Hebbels Tagebüchern (bedeutender Eindruck) einen ähnlichen Stoff gefunden, wie Belastet.―

Dann: Jedes Mädchen ist Wittwe, es frägt sich nur wie oft.

Den Schmerz wie einen Mantel um sich schlagen. (Aehnliches bei mir.)

Salten’s Liebesschmerzen.

Schwarzkopf’s Satyre klippt plötzlich ab; nicht, beim Uebergang vom speciellen ins allgemeine sich in Humor verlierend, sondern er steht dem allgemeinen wieder kalt gegenüber.

Bedeutendes Talent, ein 17j. Junge, Loris (v. Hofmannsthal). Wissen, Klarheit und, wie es scheint, auch echte Künstlerschaft, es ist unerhört in dem Alter.

Goldmann geht nach Brüssel als Correspondent der Frankfurter Zeitung.

Brn. Torresani, auch in der Griensteidlgesellschaft.

Kafka und Joachim, die Herausgeber der Modernen Rundschau.―

Dörmann, scheinkranke Lyrik, dabei sicher große Formbegabtheit. Wie tief es gehen wird?― 21 Jahre!

Leo Ebermann, sehr begabt, hat mich, scheints, sehr gern, ich kann ihn persönlich nicht ganz goutiren, aesthetisch thut er mir nicht wohl.

Habe mir, dumme, selbstquälerische Spielerei, im März Notizbuch ein Sündenregister von Mz. angelegt.

Wie ich ¾ innerlich plötzlich den ergreifendsten Ton des Schluchzens kenne, ihn aber sicher nicht herausbringen könnte.

Mz. ist nach Brünn (seit Weihnachten schon) vom 1. Sept. 91 an engagirt. Wie wird das weiter gehn! Dieser eben vergangne Winter! Schrecklich diese Abstinenz. So gut es ging, merkwürdig gut, eigentlich!―

Irene Goldberger hat sich mit Fechner verlobt.

Kritiken über Lombroso’s Der geniale Mensch und Ribbing, Die sexuelle Hygiene in der Int. kl. Rsch.

Auch citirt bin ich nun schon! Einmal in der Freien Bühne, der alte Ausdruck „großartiger Pessimismus Zola’s“, wie von mir herrührend, dann in der Frkf. Zeitung, Feuilleton von Goldmann über Groß Wien!― „In der Stadt wird sie geliebt und in der Vorstadt geheiratet!

Langsamer Beginn literarischer Anerkennung in ganz kleinem, kleinem Kreise.―

Der Traum, den ich einmal hatte: Ich soll begraben werden, bin auf dem Nachhauseweg, sehe schon am Fenster die Leute auf mich warten, der Leichenwagen steht unten. Ich komme hinauf, Mama redet mir zu.

Mein Tagebuch enthält fast nur absolut persönliches.