Freitag, 22. Dezember 1882

22/12 Freitag Abend… Täuschen wir uns nicht: Die Medicin ist mir nun geradeaus zuwider. Ich empfinde eine Art Ekel, wenn ich in das Garnisonspital hineingehe. Die paar Dinge, die mich dran interessiren, interessiren eben den Menschen ― vielleicht den Poeten in mir ― aber nichts weiter. Und doch ― sie klammert sich an mich, diese Medicin ― daß ich nun einmal unmöglich ganz und voll mich besserem, pardon anderem widmen kann. Und das schlimmste: sie macht mich vollkommen hypochondrisch. Bah ― mein Doktorat werd ich schließlich machen, so früh, wie die besseren unter meinen Collegen ― und ein so guter Arzt wie der und jener werd, ich auch, vielleicht sogar ein besserer ― Aber klar und deutlich in zwei Worte gefasst: Ich wollt’ ich wüßt von der Medicin nichts mehr und … U. s. w.―

Und doch hab’ ich das Herz nicht, einfach nur zu sagen: Ein halbes Jahr lang kümmr’ ich mich nicht um die Medicin und lebe nur der Poesie.― Habe das Herz nicht ― Wenns nur das wäre. Ich kann ja jetzt nicht einmal. Dieses verdammte Militärjahr.―

Charlotten hab’ ich seit ein paar Wochen keine Nachricht von mir zukommen lassen. Eigentlich nicht schön.― Aber was sollt’ es?